Schützt eine Preisgarantie gegen steigende Gaspreise?

Die Einkaufspreise für Gas sind an den Energiebörsen in den letzten Jahren leicht gesunken, davon profitieren die Gasunternehmen. An die Verbraucher geben sie ihren Kostenvorteil leider nur geringfügig oder gar nicht weiter, für diese bleibt das Gas in Deutschland zu teuer. Eine Entlastung ist kaum in Sicht. Jedoch können sich Gaskunden mit einer Preisgarantie vor steigenden Kosten schützen. Das hört sich zunächst einmal gut an, jedoch müssen die Kunden auf das Kleingedruckte achten.

Was kann das Kleingedruckte besagen?

Das Kleingedruckte kann bei einer Preisgarantie einige Tücken aufzeigen. In den Fußnoten der Anbieter-AGB werden oft einige Fälle aufgelistet, in denen die Garantie für einen konstanten Preis nicht gilt. Es geht hierbei keinesfalls um Kleinigkeiten. Je nach Art der Preisgarantie können Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Netzentgelte von der Preisgarantie ausgenommen sein. Verbraucher erkennen meistens nicht sofort, dass es sich dabei um einen großen Teil des Preises handelt. Das verwundert auch nicht: Nur reichlich die Hälfte des Gaspreises kann der Energieversorger selbst bestimmen. Das ist der Teil für Energiebeschaffung und Vertrieb. Die andere Hälfte geht an die Netzbetreiber und den Staat.

 

Preisgarantie gegen steigende Gaspreise?Wenn sich diese Preisanteile erhöhen, ist der Versorger machtlos. Er wird in den meisten Fällen diese Erhöhungen an die Kunden weiterreichen. Dennoch gibt es auch eine sogenannte Bruttopreisgarantie, die wirklich 100 % des Preises umfasst. Das Risiko für nicht beeinflussbare Preiserhöhungen durch den Staat oder Netzbetreiber trägt dann das Energieunternehmen – und lässt sich daher diese Preisgarantie teuer bezahlen.

Arten von Preisgarantien

Es haben sich drei Varianten von Preisgarantien etabliert. Verbraucher sollten diese Varianten kennen beziehungsweise bei einem Angebot mit “Preisgarantie” genau hinschauen, welche Garantie denn gemeint ist.

BruttopreisgarantiePreisfixierung:Energiepreisgarantie:Preisgarantie nach Anbieterwechsel

  • Bruttopreisgarantie (vollständige Garantie): Hierbei sind alle Preisbestandteile zu 100 % eingeschlossen, also auch die Netzentgelte, die Steuern sowie alle Umlagen und Abgaben. Die einzige Ausnahme betrifft in der Regel eine Änderung der Mehrwertsteuer, die nicht inbegriffen ist. Doch solche Steuererhöhungen sind sehr selten.
  • Preisfixierung: Diese eingeschränkte Preisgarantie umfasst den Energiekostenanteil und die Netznutzungsentgelte. Ausgeschlossen sind neben der Mehrwertsteuer alle sonstigen Steuern und Abgaben sowie Umlagen wie zum Beispiel die Konzessionsgebühr an die Kommunen, die diese Gebühr für den öffentlichen Raum erheben, den Gasleitungen beanspruchen. Wenn sich dieser Kostenblock ändert, passt der Versorger die Preise entsprechend an.
  • Energiepreisgarantie: Mit dieser Garantie hält der Versorger nur den Energiekosten- und Vertriebsanteil auf einem konstanten Preisniveau. Alle sonstigen Änderungen muss der Verbraucher tragen. Immerhin umfasst die Energiepreisgarantie immer noch rund die Hälfte des Gesamtpreises.

Experten empfehlen, bei der Suche nach einem neuen Anbieter durchaus Angebote mit Preisgarantie zu bevorzugen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass die Preisgarantie den Gaspreis nicht nur vor Erhöhungen schützt, sondern auch Preissenkungen ausschließt. Bei sich verringernden Kosten hätten die Kunden nichts davon. Daher müssen Kunden auch ein wenig den Markt beobachten, um sich dann für eine Preisgarantie zu entscheiden – oder auch nicht.

Eine Empfehlung der Verbraucherzentralen lautet, beim Preisvergleich von Energietarifen einen Online-Tarifrechner zu nutzen und außerdem Verträge mit höchstens einem Jahr Laufzeit abzuschließen. Wer sich gegen eine Preisgarantie entscheidet, kann bei Preiserhöhungen seines Versorgers sein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen. Dieses greift innerhalb von 14 Tagen. Ein Urteil hierzu hat unter anderem am 05.07.2016 das Oberlandesgericht Düsseldorf gefällt (Az. I-20 U 11/16).